Kanada haut nah

Als Urlauber in Kanada liest man auch die Tageszeitung und erfährt da Dinge, die in Deutschland kein Thema sind.
So wird viel über die Reservate berichtet, in denen die indianische Bevölkerung lebt. Viele Weiße meinen, es geht ihnen gut. Sie bekommen Wohnhäuser, Wasser, Strom und Gesundheitsdienste vom Staat gestellt. Eine ältere Dame erzürnte sich darüber so: „Meine Kinder müssen dafür arbeiten!“

Die Indianer, oder „First Nation“, wie man sie nennt, sehen das anders:
„Ihr lebt auf unserem Land, habt es euch einfach angeeignet. Eure Verträge werden nicht eingehalten!“

Ein sehr dunkles Kapitel ihrer Geschichte wird zur Zeit vor den Gerichten verhandelt: Von 1960 bis 1980 wurden Kinder aus indianischen Familien geholt und zur Adoption in weiße Familien freigegeben. Viele wurden auch in die USA vermittelt. Die meisten von ihnen fühlen sich heute nirgends zugehörig und haben massive Probleme. Sie werden weder bei den First Nation Leuten noch bei den Weißen voll anerkannt.
Erst seit 2009 werden diese Handlungen vor die Gerichte gebracht. Die Anwälte verlangen 200 Millionen Dollar Entschädigung. Ein Gericht in Ontario hat schon entschieden, dass die Regierung in Ottawa verantwortlich gemacht werden muss.
Ein weiterer Streitpunkt ist, dass zwischen den Kindern aus Reservaten und Metis unterschieden wird. Die Metis Kinder aus gemischten Ehen lebten meistens außerhalb der Reservate, wurden aber genau so für Adoptionen frei gegeben. Vorläufig werden diese Fälle noch nicht von Anwälten vertreten.
Da kommt noch einiges auf die Provinzen und die Regierung in Ottawa zu!


Kommentare

Kanada haut nah — 2 Kommentare

  1. Was momentan vor den Gerichten in Kanada verhandelt wird und auch die Tagespolitik sehr start prägt sind nicht nur die Zwangs-Adoptionen zwischen 1950 und 1980, aber dass diese Kinder teilweise zwangsweise in Internate gesteckt wurden. Dort sollten sie Kultur lernen und durften ihre eigene Sprache nicht mehr sprechen.
    Diese Heime wurden teilweise von der katholischen Kirche geführt und wie in vielen solchen Anstalten dieser Organisation waren die Kinder Missbrauch und Misshandlungen ausgeliefert. Viele Kinder starben auf Fluchtversuchen durch die Wälder als sie versuchten zu ihrer Familie zurück zu kehren, die 1000 Kilometer oder mehr entfernt war.
    Justin Trudeau hat zugesagt hier für Wiedergutmachung zu sorgen. Das war eines seiner Wahlversprechen. Er war deswegen auch schon beim Papst selber mit der Bitte nach Kanada zu kommen und eine öffentliche Mitschuld der katholischen Kirche zuzugeben. Das wird aber wohl nie passieren.

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