In Lederhosen zum Oktoberfest

Es ist Mode geworden, zum Oktoberfest in Tracht zu gehen. Da haben Dirndl und Lederhose Hochkonjunktur. Aber woher stammt diese Vorliebe der Bayern für das lederne Kleidungsstück?
Als Kulturgut des Landes wird es bezeichnet. Für seine Herstellung bedarf es langer und sorgfältiger Arbeitsgänge:

Eine Hirschhaut ist das verwendete Ausgangsprodukt. Sie wird mit Fischöl durchtränkt. Dann muss sie monatelang an einem Haken im Dachstuhl des Gerbers hängen, wird aber immer wieder mit dem Öl getränkt. Nach etwa 6 Monaten ist das Leder so weit getrocknet, dass es verarbeitet werden kann. Nun wird das Material in verschiedenen Größen zugeschnitten, zusammen genäht und mit Stickereien verziert. Jedes Stück ist ein handgefertigtes Unikat.

Viele Brautpaare wünschen sich heute, dass ihre Gäste im Trachtenlook erscheinen. Das sah man vor 100 Jahren noch als unmöglich an. Damals erschienen die Herren im schwarzen Anzug.

Es ist eine Mär, dass die Lederhose die Arbeitskleidung der Bauern gewesen sei. Sie war viel zu unpraktisch für die Arbeit in Wald und Feld; denn wenn sie nass ist, dauert das Trocknen sehr lange. Die Bauern hätten sich Rheuma und Blasenentzündungen geholt. Außerdem konnte sich ein Bauer oder Arbeiter so ein teures Stück gar nicht leisten.

Es dauerte auch, bis die Lederhose sich als Kleidungsstück durchsetzen konnte. Noch 1913 wurden 5 junge Burschen vom erzbischöflichen Ordinariat in München aus der Kirche wegen ihrer Lederhosen als „unsittlich“ verwiesen.

Erst König Maximilian II, der in Jacke und Lederhose auf die Jagd ging und Kaiser Franz Josef von Österreich verhalfen der Lederhose zur allgemeinen Akzeptanz.

Natürlich gibt es inzwischen Billigprodukte aus Asien. Aber eine Gegenbewegung sorgt dafür, dass die handgemachten Hosen ihren Marktanteil verbessern konnten. Ab 550 Euro gibt es dieses weiche Leder, dass sich so angenehm auf der Haut anfühlt. Für die Stickerei muss man aber noch etwas draufzahlen.

Erstaunlich ist, dass für ganz alte kaputte Hosen auf dem Flohmarkt sehr hohe Preise erzielt werden.

Die Lederhose stellt für ihren Träger etwas Bodenständiges dar und passt einfach zum Oktoberfest!


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