Milchautomaten auf dem Bauernhof und wie es vor Tschernobyl war

Die Billigangebote im Supermarkt und der seit Jahren schwankende Milchpreis bringt manchen Bauern in Not. 33 bis 34 Cent bekommen sie für den Liter Milch von der Molkerei. Das deckt kaum ihre Unkosten geschweige denn bleibt ein Verdienst für die eingesetzte Zeit übrig. Im Jahr 2016 war der Preis sogar auf 20 Cent abgerutscht.Das hatte zur Folge, dass in Bayern 1600 Milchbauern aufhörten.

Unter den verbleibenden Milchviehhaltern stellen immer mehr ihren Betrieb auf ökologische Bewirtschaftung um. Etwa 10% der bayerischen Bauern betreiben ökologische Landwirtschaft, und einige von ihnen vermarkten ihre Milch direkt an den Verbraucher. „Milchautomat“ heißt das neue Projekt. Auf mehreren Höfen nicht nur im Allgäu stehen in kleinen Holzhäuschen diese Automaten. Hier kann der Kunde auf Knopfdruck sich seine Milch selber zapfen. Und das geht rund um die Uhr. Für einen Euro gibt es einen Liter frische Milch aus ökologische Viehhaltung. Vereinzelt werden in manchen Häuschen auch Eier, Käse oder Fleischwaren als Brotaufstrich angeboten.

Aber so neu ist die Idee nicht: In den 80 ziger Jahren stellte eine Molkerei aus Fürstenfeldbruck in Supermärkten Milchautomaten auf. Damals ging es vor allem um Müllvermeidung. Das Projekt begann gerade erfolgreich anzulaufen, als die Katastrophe in Tschernobyl passierte, und kein Mensch mehr frische Milch kaufen wollte. alle griffen zur H-Milch, die vor der Explosion erzeugt worden war.

Die Informationen von offizieller Stelle waren dürftig. Die Sorge in der Bevölkerung, dass mit dem Regen aus der radioaktive geladenen Wolke alles Wachstum im Freiland verseucht war, verbreitete Unsicherheit. „Kann ich den Salat und das Gemüse aus meinem Garten essen? Aber auf den Kompost kann ich das auch nicht tun, die Strahlung hält ja ewig an.“ Auf den Spielplätzen wurde nach einiger Zeit der Sand ausgewechselt. Aber was war mit der Gartenerde?
Noch heute wird das Fleisch von Wildschweinen auf Radioaktivität untersucht. Häufig ist es nicht für den Verzehr geeignet.

Hoffen wir, dass den neuen Milchautomaten Besitzern solche Sorgen erspart bleiben.


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