Urwahl bei den Grünen

Die Parteibasis hat mit der Urwahl entschieden: Zwei Politiker, Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir, die zum Flügel der Realos gerechnet werden, gehen als Spitzenkandidat/innen in den Bundestagswahlkampf. Damit sind die Chancen für eine mögliche schwarz-grüne Koalition gestiegen.

Katrin Göring-Eckardt, die in der DDR Bürgerrechtsbewegung aktiv war, demonstrierte schon unter dem SED-Regime für mehr Freiheit der Bürger. Sie trug ihr Baby dabei auf dem Rücken, was nicht ungefährlich war, denn die DDR setzte Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein!
Nach der Wende engagierte sie sich für den Zusammenschluss von Bündnis 90 und Grünen. In der evangelischen Kirche gab man ihr 2009 das Amt der Vorsitzenden der Synode, welches sie wegen des Wahlkampfes 2013 ruhen ließ. Zur Zeit ist sie Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017. In vielen evangelischen Projekten ist sie aktiv.

Sie gilt als Protagonistin eines wertkonservativen grünen Lebensstils. Gute Kontakte bestehen ins CDU Lager; sie hat an der sogenannten Pizza-Connection in den 90 ger Jahren mitgearbeitet. Sie setzt sich für Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Ausgleich ein, und warnt immer wieder vor einer kulturellen Spaltung der Gesellschaft. Ein gerechter Zugang zu allen Bildungseinrichtungen für jeden ist ihr wichtig.
Ein Gewissenskonflikt war für sie der Kosovo Krieg, für dessen Militäreinsatz sie stimmte. Im Nachhinein findet sie noch immer, dass es die richtige Entscheidung war, um Menschenleben zu retten.

Bei einem Interview in den letzten Monaten formulierte sie:“ Wir müssen für unsere Kultur und für vieles, was wir eigentlich für selbstverständlich halten, wieder viel mehr einstehen und Kämpfen!“
Cem Özdemir wuchs als einziges Kind einer türkischen Gastarbeiter Familie in Bad Urach auf. 1994 machte er sein Diplom als Sozialpädagoge und arbeitete als Erzieher im Jugendzentrum in Reutlingen, sowie als freier Journalist für den Reutlinger-General-Anzeiger. Schon 1981 wurde er Mitglied bei den Grünen. Im selben Jahr beantragte er (mit 16 Jahren) die deutsche Staatsbürgerschaft.

Er bezeichnet sich als „Inländer“, womit er sagen will, dass er hier geboren ist, und sich als Deutscher beziehungsweise Schwabe fühlt.
Seit 2008 war Cem zusammen mit Claudia Roth Bundesvorsitzender der Grünen und ist seit 1994 für Baden-Würtemberg im Bundestag.
Auf Grund eines Privat Darlehens vom PR Berater Moritz Hunzinger sowie der unrechtmäßigen Verwendung von dienstlich erworbenen Bonus Meilen trat er 2002 von allen Ämtern zurück und spendete den gewonnenen Vorteil an ein Zentrum für Folteropfer.
Seit 2004 ist Cem Özdemir Mitglied des Europäischen Parlaments. Für die Grünen/EFA ist er unter anderem Mitglied des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und außenpolitischer Sprecher der Fraktion.

Nach seinem Rückzug 2001 absolvierte er das sogenannte Young-Leader-Programm des Council of Germany. Über mehrere Jahre hielt er Vorträge an der Universität Wisconsin zum Thema Türkei. Er ist Mitglied der Denkfabrik „European Council on Foreign Relations, sowie Gründungsmitglied der Amadeu Antonio Stiftung. Seine häufige Kritik an Erdogan hat dazu geführt, dass dieser ihn nicht mehr in der Türkei sehen will!
2012 errang er den zweiten Platz auf der baden-würtembergischen Landesliste und zog wieder in den Bundestag ein.

Zusammen mit Katrin Göring-Eckardt wurde er von den grünen Mitgliedern zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2017 bestimmt.
Die Medien erwarten einen realpolitischen Kurs von ihnen.


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