Weihnachtskalender aus dem Gefängnis

Weihnachtsmärkte gibt es in vielen Städten und zu mindest am Wochenende auch in vielen kleinen Ortschaften. Neben dem lebenswichtigen Glühwein und Würstchen gibt es immer wieder sehr kreative Ideen, um gerade für die Kinder die lange Wartezeit auf Weihnachten zu verkürzen. Da hatte der Bürgermeister von Aichach vor vielen Jahren eine Erleuchtung: Er stellte zufällig fest, dass das Aichacher Rathaus an seiner Ostseite genau 24 Fenster hat. Gerade so viele wie ein Weihnachtskalender. Die Idee, dies zu nutzen war schnell geboren und seither werden diese Fenster mit Glasmalfarben bemalt und von innen beleuchtet. Den Auftrag dazu bekommt jedes Jahr eine andere Gruppe. Mal ist es die Realschule, dann die Creativgruppe oder das Gymnasium. In diesem Jahr ging der Auftrag an die Frauen im Aichacher Frauengefängnis. Es gibt dort eine Gruppe von Frauen die unter Anleitung einer Kunsterzieherin sich regelmäßig treffen und malen oder basteln.
Und so kann der Nikolaus mit seinen Engeln jeden Abend um 17.30 ein Fenster öffnen, das ein handgemaltes Bild zeigt. Die Motive sind sehr unterschiedlich. Da erscheinen Schneemänner, Tannenbäume, bunte Kugeln, pausbäckige Engel aber auch sehr nachdenkliche Motive mit dazugehörenden Texten, die aufrütteln. Die Namen der Künstlerinnen dürfen natürlich nicht genannt werden und ihre Texte werden von einer Mitarbeiterin der JVA Aichach vorgelesen.
Eines der Bilder zeigt den Eiffelturm von Paris und daneben die Münchner Frauenkirche, darunter Flüchtlinge, eine Friedenstaube und eine rotes Herz für die Liebe. Das Bild trägt den Titel „Friede“. Und so lautet der Text dazu:
„Anschläge in Paris, das Attentat in München, Flüchtlingsströme, die kein Ende nehmen. Alles das hat auch uns in der Haft nachdenklich, traurig und auch wütend gemacht. Hier in der JVA leben unzählige Nationen und Religionen meist friedlich unter einem Dach. Wir teilen Ängste und Sorgen um die Familie und Freunde, die draußen in einer Welt leben, die mit „Freiheit“ nicht mehr viel zu tun hat. Manchmal glaube ich, dass es hier sicherer und ruhiger ist als draußen. In dieser besinnlichen Zeit sollten wir uns alle daran erinnern, dass Liebe immer stärker als Hass ist. In diesem Sinne wünsche ich allen ein besinnliches Weihnachtsfest!“


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