Amazon und der Tarifvertrag

Der Verdi Chef Frank Bsirske besuchte die Amazon Niederlassung in Graben bei Augsburg. Auf der grünen Wiese steht dort seit einigen Jahren ein riesiger Komplex. Hier lagert ein großes Warenangebot, wird verpackt und versandt.
Die Mitarbeiter werden nicht nach Tarif bezahlt. In der untersten Lohngruppe entgeht jedem Arbeiter dadurch eine Summe von 7000 bis 8000 Euro jährlich, so die Aussage von Bsirske. Amazon argumentiert, dass sie ein Logistik-Unternehmen sind und kein Versandhandel, für den der Tarifvertrag des bayerischen Versandhandels gilt. Die Gewerkschaft Verdi kämpft seit 13 Jahren für einen solchen Vertrag bei dem US Konzern.Er betreibt einen globalen Handel, ist bei den Arbeitsbedingungen aber noch im 19. Jahrhundert, als es noch keine Gewerkschaften gab, so die Feststellung Verdis.
In einem Pressegespräch kündigt der Vorsitzende ungeplante Streiks an. Er warb unter den 2000 Mitarbeitern für eine Mitgliedschaft in der Gewerkschaft. Die Tarifbindung in Deutschland wird immer weniger – eine wirtschaftliche Fehlentwicklung, so Bsirske.
Mit einem Branchentarifvertrag verdienen Arbeitnehmer im Durchschnitt 5,6 Prozent mehr als Kollegen ohne gültigen Tarifvertrag.
Auch bei Urlaubstagen sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld haben diese Beschäftigten Vorteile.
Der heutige Mindestlohn liegt bekanntlich bei 8,50 Euro. Darauf haben die Beschäftigten keinen Einfluss. Bis zum 30. Juni soll die Mindestlohnkommission entscheiden, ob er weiter angepasst wird. Die Gewerkschaften fordern eine Erhöhung auf 9,- Euro bis 2017.
Sorgen bereitet auch die Entwicklung bei den Renten: Bei einem Bruttoeinkommen von 2500 Euro hat ein Rentner nach 40 Arbeitsjahren einen Anspruch an Rentenauszahlung von 786,- Euro. Aber ein Drittel aller Arbeitnehmer verdienen weniger als 2500,-Euro.Sie werden eine Rente auf HarzIV Niveau erhalten. – Hier tickt eine Zeitbombe!


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