Eine mutige Frau

Es war einmal eine junge Frau, die wollte so gerne zur See fahren. Sie wollte Kapitän auf einem großen Schiff sein. Da sie an der Elbe kurz hinter Hamburg wohnte, sah sie täglich sehnsuchtsvoll den Schiffen nach, die ihren Weg durch die Fahrrinne zogen. – Aber ihre Familie war absolut gegen ihre Seefahrts -pläne.

Auf Druck des Vaters musste sie eine Ausbildung als Lehrerin absolvieren, wozu sie wenig Lust verspürte.

Als sie aber damit fertig war, heuerte sie als Junge verkleidet auf einem Fischkutter an. (Wer in der Nähe von Hamburg gelebt hat, weiß wohl jetzt schon, dass ich von Annaliese Teetz erzähle)
Das war ein hartes Leben. Aber sie war jung und kräftig und die schwere Arbeit schaffte sie ganz gut. Schwierig war es aber ihre Identität über Monate hinweg geheim zu halten. Beim Schlafen und beim Waschen musste sie besonders vorsichtig sein. Einer der Maschinisten kam ihr allerdings auf die Schliche. Doch er verriet sie nicht, sondern half ihr wo er konnte. (diesen Mann heiratete sie später)

Wie es genau weiterging nach der Smutje Arbeit auf dem Fischkutter weiß ich nicht genau, denn als ich sie kennenlernte war ich erst 6 Jahre alt und kann mich nicht an alle ihre Erzählungen erinnern. Aber sie schaffte es, das Kapitäns Patent abzulegen und war in den 30ßiger bis 60ziger Jahren die einzige Kapitänin Deutschlands!
Während des Krieges fuhr sie Truppentransporte nach Norwegen und später dann Frachtschiffe. Aber mit den Änderungen zu Container Schiffen war ihr Einsatz nicht mehr möglich und sie kehrte als Lehrerin in die Schule zurück. Ich lernte Schwimmen bei ihr und eine mutige Einstellung zum Leben.

Ihr Leben fand ein Ende als sie im Alter von 81 Jahren bei Sturm mit einem Kajak vor Blankenese auf die Elbe hinaus fuhr.


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